Für uns bisher ein sehr anstrengendes Land. Die nahezu unerträgliche Hitze, die Wasserknappheit, die teilweise sehr langen Stromabschaltungen und der starke und aggressive Verkehr mit seinem Smog haben uns von den Straßen verjagt.
Negativer und demotivierender als diese Umstände jedoch wirkten die Inder selbst auf uns: Bereits nach Ankunft in einer neuen Stadt am Bus- oder Zugbahnhof muss man darum kämpfen, nicht von einem Schlepper in ein anderes Hotel gebracht zu werden, als das von uns gewählte. Steigt man einfach nur an einer Kreuzung aus und versucht, den Fahrer abzuschütteln - er würde von unserem Hotel Kommission verlangen - wird er wütend und schimpft drauf los. In Varanasi vergingen die ersten beiden Stunden mit Schlepperabschütteln und Hotelsuchen. Bei Temperaturen um 45 Grad Celsius wird das sehr schnell anstrengend. Ist dann ein Hotel gefunden, geht das Feilschen weiter.
So befanden wir uns also nach fast zwei Wochen Indienaufenthalt an einem Punkt, an dem wir überlegten, diesen Teil der Reise abzubrechen, um Indien vielleicht in ein paar Jahren zu einer besseren Jahreszeit zu besuchen.
An diesem Punkt dachten wir aber auch zu wissen, dass es dort aufgrund der Kultur der Inder, besonders aber aufgrund der extrem gelebten Religion ebenso hart und nicht leichter für uns zu reisen wäre, und dass sich Indien mit keinem anderen Gesicht zeigen würde.
Also befanden wir uns an einem Punkt, an dem wir den Spruch anzweifelten, der aussagt, dass man Indien hasst UND liebt zugleich. Wir fühlten zu keinem Zeitpunkt Hass! Wir konnten uns aber keinen Grund für Liebe vorstellen. So zweifelten wir also sehr an unserer Weltoffenheit und unserem Bestreben, sich möglichst stark mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Irgendwie fühlten wir uns kraftlos und ausgebrannt. Sollte dies das Ende unserer "Reise" sein?
So waren wir vor drei Tagen in Pushkar angekommen. Natürlich fanden sich "hilfsbereite" Inder, die uns den Bus bezahlten, uns auf einen Chai einluden und sich anboten, uns zu unserem Hotel zu bringen. Alles klar! Wie sollten wir hier nun wieder die Prämie für die beiden umgehen, damit wir einen guten Zimmerpreis bekommen können?
Doch plötzlich war alles anders! Die beiden warteten auf uns und wollten mit dem Hotelbesitzer gar keine Prämie aushandeln. Das Zimmer bekamen wir ohne Verhandeln für einen Spitzenpreis und alle um uns herum wollten nur Gutes. Sollte sich unser Bild über Indien nun doch noch zum Guten verändern? Auch die Straßenhändler und Mönche beließen es bei EINEM Versuch, uns Geld aus der Tasche zu ziehen. Die kleine Stadt Pushkar am Rande der Wüste Thar im ärmsten Bundesland Indiens Rajasthan entpuppte sich zu einem wahren Ort der Ruhe. Was wird uns hier noch erwarten? Erstmal buchten wir kein Ticket für die Weiterfahrt. Wir wollten sehen, was passiert.In den letzten Tagen bot sich uns dann auch die Möglichkeit, Indiens liebenswerte Seite kennenzulernen. ... Mit dem eigenen Fahrzeug, weit weg vom Touristengeschehen und den Händlern. Menschen laufen von den Feldern und Hütten am Straßenrand auf uns zu, wollen mitfahren oder uns einfach nur grüßen. Eine Kollonie ärmster Rajasthanies winkt uns energisch zu sich in die Dünen. Sie wollen mit uns quatschen, Spaß haben, Fotos machen und uns berühren und bieten ihr Wasser und ihr Essen an: Chapati und Curry. Lecker! Egal wo man anhält, man wird sehr liebevoll empfangen. Teilweise stehen dann dutzende Menschen um uns herum und gucken einfach nur. Und das Coole daran ist: Wir haben diese Fahrten nicht mit IRGENDEINEM Fahrzeug unternommen, sondern mit echten, uralten indischen ROYAL ENFIELDS! Gefunden haben wir diese Goldstücke in Pushkar bei Mukesh Ajamera, der an der Straße eine Werkstatt für Enfields betreibt. Auf nicht mehr als neun (9) Quadratmetern
repariert und restauriert er diese Oldtimer wie kaum ein anderer. Anscheinend ist er weit über indiens Grenzen hinaus bekannt und exportiert in alle Welt. Unser nicht vorhandener Führerschein störte ihn nicht. Er setzte uns auf zwei Bikes und schickte uns nach einer kurzen Fahrstunde auf die Straßen rund um seine Stadt. Einfach weil es ihm Freude bereitet! Nach drei Ausflügen sind wir nun echte Enfield-Rider! Der Fahrtwind machte die Hitze erträglich und der Klang der Maschinen ließ uns auch für die Inder was ganz besonderes sein. Es war ein tolles Gefühl! Danke, Mukesh und Team!
So konnten wir nun endlich das "echte" Indien erleben. Wie wir in der noch verbleibenden Zeit weiter auf diese Art reisen können ist noch unklar. Uns fällt sicher was ein. Wir wissen nun, dass Indien für uns außerhalb der Tourismusgebiete ganz schön was zu bieten hat.
Wir mögen Indien!